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Riester-Durchführungswege: Welchen Vertrag hast du eigentlich?

Erker mit Balkon am Bürohaus Hohenzollernstraße 25 in Hannover, davor der Titel: Sieben Wege, ein Etikett

Wenn jemand in der Beratung sagt „ich habe einen Riester”, dann weiß ich danach ungefähr so viel wie vorher. Ich weiß, dass er Zulagen bekommt und dass das Guthaben pfändungsgeschützt ist. Ich weiß nicht, ob sein Geld in Aktien steckt oder unverzinst auf einem Konto liegt, ob der Rentenfaktor feststeht oder erst in 25 Jahren gekauft werden muss, und ob der Vertrag überhaupt in der Lage ist, seine eigenen Kosten zu verdienen.

Riester ist der Führerschein, nicht das Auto. Er sagt dir, dass du fahren darfst. Ob du in einem Kleinwagen sitzt oder in einem Transporter, steht auf einem anderen Blatt.

Und genau da liegt das Problem mit fast allem, was im Netz über Riester geschrieben wird: Es wird über „Riester” geurteilt, als wäre das ein Produkt. Ist es nicht. Es sind sieben Wege, und die Unterschiede zwischen ihnen sind größer als die zwischen zwei Anbietern desselben Wegs.

Kurz gesagt: Riester bezeichnet eine Förderform. Sie kann in sieben verschiedenen Vertragsarten stecken: Banksparplan, Fondssparplan, Bausparvertrag, fondsgebundene Rentenversicherung, klassische Rentenversicherung, Wohn-Riester und Riester über den Betrieb. Der wichtigste Unterschied betrifft das Ende: Bei drei dieser Wege muss dein Guthaben später gegen Einmalbeitrag verrentet werden, zu Konditionen, die heute niemand kennt. Bevor du über Kündigen, Ruhenlassen oder den Wechsel ins Altersvorsorgedepot nachdenkst, musst du wissen, welchen Weg du hast.

Wer bestimmt eigentlich, wie viel Rente aus deinem Guthaben wird?

Das ist die Frage, an der sich die sieben Wege in drei Lager teilen, und sie wird in Ratgebertexten fast nie gestellt.

Bei einer Riester-Rentenversicherung steht der Rentenfaktor in der Police. Du weißt beim Abschluss, wie viel monatliche Rente je 10.000 Euro Guthaben herauskommt. Bei einem Banksparplan, einem Fondssparplan oder einem Bausparvertrag ist das anders. Dort sparst du nur an. Am Ende der Ansparphase muss dein Guthaben in eine lebenslange Rente überführt werden, und dafür wird eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag gekauft. Zu den Konditionen, die dann gelten.

Wann steht fest, wie viel Rente aus deinem Guthaben wird?Sieben Riester-Durchführungswege, sortiert nach dem Zeitpunkt der FestlegungErst bei Rentenbeginn: Konditionen beim Abschluss unbekanntRiester-BanksparplanRiester-FondssparplanRiester-BausparvertragDas Guthaben muss gegen Einmalbeitrag verrentet werden. Sterbetafel und Rechnungszins gelten die, die in 30 Jahren gelten.Schon bei Vertragsabschluss: Rentenfaktor steht in der PoliceFondsgebundene Riester-RenteKlassische Riester-RenteRiester in der betrieblichen AltersversorgungDie Rentenphase ist Vertragsbestandteil. Achtung: Treuhänderklauseln, über die einzelne Versicherer den Faktor später gesenkt haben.Gar nicht, dafür das WohnförderkontoWohn-RiesterKeine Verrentung. Stattdessen wird die Förderung im Wohnförderkonto aufgezinst und im Ruhestand nachgelagert besteuert.Rechtsstand September 2026. Die Zuordnung folgt der Vertragsmechanik des jeweiligen Durchführungswegs, nicht einzelnen Tarifen. Wohn-Riester: §§ 92a und92b EStG.
Eigene Darstellung nach der Vertragsmechanik der jeweiligen Durchführungswege, Rechtsstand September 2026. Einzelne Tarife können abweichen, etwa wenn ein Fondssparplan eine Verrentungsoption zu heute festgelegten Konditionen enthält. Die Deutsche Rentenversicherung führt die Wohn-Riester-Produkte einzeln auf: Riester-Darlehen, Riester-Bausparvertrag, Bausparvertrag mit Darlehen und Kombi-Kredit.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Verrentet wird bei Riester fast immer. Das Kapital muss im Grundsatz als lebenslange Rente fließen, egal welchen Weg du hast. Bis zu 30 Prozent darfst du dir zu Beginn der Auszahlungsphase auf einen Schlag auszahlen lassen, der Rest wird zur Rente. Die einzige echte Ausnahme ist die wohnwirtschaftliche Verwendung, und die hat ihren eigenen Preis.

Die Wege unterscheiden sich also in einer anderen Frage: Wann stehen die Konditionen der Verrentung fest? Bei einer Rentenversicherung stehen sie im Vertrag, den du heute unterschreibst. Bei Banksparplan, Fondssparplan und Bausparvertrag musst du am Ende der Ansparphase eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag kaufen, zu den Bedingungen, die dann gelten.

Zwei Dinge machen das systematisch unangenehm für dich als Sparer.

Die Lebenserwartung steigt. Der Rentenfaktor, den du in 30 Jahren bekommst, wird mit der dann gültigen Sterbetafel gerechnet. Medizinischer Fortschritt ist eine gute Nachricht für dein Leben und eine schlechte für den Preis deiner Rente, weil das Kapital länger reichen muss.

Und der Rechnungszins zum Kaufzeitpunkt entscheidet mit. Wer in einer Niedrigzinsphase verrenten muss, hat kein Druckmittel und keine Wahl. Er kauft zu dem Preis, der gerade aufgerufen wird.

Stell dir vor, du kaufst heute ein Auto, zahlst es 30 Jahre lang ab und erfährst den Preis erst bei der Übergabe. So funktioniert die Verrentung bei drei von sieben Wegen.

Wegverhandeln lässt sich das nicht. Es steckt in der Bauart des Durchführungswegs.

Die sieben Wege

Der Riester-Banksparplan

Der einfachste Weg und der mit dem größten stillen Verlust. Dein Guthaben liegt auf einem Konto, das praktisch nicht verzinst wird. Es kann nichts einbrechen, es kann aber auch nichts wachsen.

Was dabei über eine volle Ansparphase passiert, sieht man erst, wenn man es aufzeichnet.

Ein unverzinster Riester-Banksparplan über eine volle Ansparphase100 Euro im Monat, 30 Jahre, kein Zins auf das Guthaben0 €9.000 €18.000 €27.000 €36.000 €0. Jahr10. Jahr20. Jahr30. Jahr36.000 EuroKontostand auf dem Papier27.055 Eurodavon übrig an Kaufkraft−8.945 EuroKaufkraft, die unterwegsverloren gehtModellrechnung mit 2,0 Prozent Inflation pro Jahr, dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. In den Jahren 2022 und 2023 lag die Teuerung in Deutschlanddeutlich darüber. Zulagen und Steuervorteil sind hier bewusst nicht eingerechnet: Sie kommen bei jedem Durchführungsweg dazu und ändern am Vergleich derHüllen nichts.
Eigene Modellrechnung mit 2,0 Prozent Inflation pro Jahr, dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. In den Jahren 2022 und 2023 lag die Teuerung in Deutschland deutlich darüber, der Verlust wäre dann größer. Zulagen und Steuervorteil sind bewusst nicht eingerechnet, weil sie bei jedem Durchführungsweg dazukommen und am Vergleich der Hüllen nichts ändern.

36.000 Euro stehen am Ende auf dem Kontoauszug. In der Kaufkraft von heute sind davon rund 27.000 Euro übrig. Knapp 9.000 Euro sind unterwegs verschwunden, ohne dass jemals eine Gebühr abgebucht wurde.

Dazu kommt der Verrentungszwang von oben. Sandra, 38, Erzieherin aus der Südstadt, hat so einen Vertrag vor zwölf Jahren in ihrer Hausbank abgeschlossen. Ihr wurde gesagt, das sei „sicher”. Das stimmt sogar, nur eben in einem Sinn, der ihr nichts nützt: Der nominale Kontostand kann nicht fallen. Alles andere kann.

Der einzige Ausweg wäre die wohnwirtschaftliche Verwendung. Die bringt aber ihre eigene Mechanik mit, dazu unten mehr.

Der Riester-Fondssparplan

Hier wird investiert, und damit ist echte Aktienrendite möglich. Auf dem Papier ist das der Weg mit dem meisten Potenzial.

Auf dem Papier. In der Praxis hängt alles an einer Frage, die kaum jemand stellt: Wie wird die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie abgesichert, und findet der Vertrag nach einer Krise wieder in den Markt zurück?

Die verbreitete Bauart ist ein Zwei-Topf-Modell. Fällt der Markt, wandert Guthaben aus dem Aktien- in den Rentenfonds, damit die Garantie nicht reißt. So weit, so verständlich. Der Rückweg ist aber nicht gleichwertig automatisiert. Nach den Einbrüchen 2008 und 2011 sind bei mehreren großen Anbietern Verträge dauerhaft im Sicherungstopf gelandet und haben die anschließende Hausse nicht mitgenommen. In der Branche heißt das Cash-Lock.

Was das kostet, lässt sich beziffern.

Was es kostet, nach der Krise nicht in den Markt zurückzufinden10.000 Euro ab Januar 2007, Modellrechnung auf Basis eines Aktien-Gesamtertragsindex0 €20.000 €40.000 €60.000 €20072011201520192023Absicherung am Tiefpunkt, Februar 200968.586 Eurodurchgehend investiert45.548 Euronach einem Jahr zurück in den Markt7.499 Eurodauerhaft abgesichert gebliebenModellrechnung, keine Wertentwicklungsprognose. Grundlage sind Monatswerte eines breiten Aktien-Gesamtertragsindex in US-Dollar von Januar 2007 bisDezember 2025 (Quelle: EODHD); Wechselkurseffekte sind nicht herausgerechnet. Das Sicherungsvermögen ist mit 2,0 Prozent pro Jahr angesetzt. DerAbsicherungszeitpunkt ist bewusst auf den Tiefpunkt gelegt.
Eigene Modellrechnung, keine Wertentwicklungsprognose. Grundlage sind Monatswerte eines breiten Aktien-Gesamtertragsindex in US-Dollar von Januar 2007 bis Dezember 2025 (Quelle: EODHD). Wechselkurseffekte sind nicht herausgerechnet. Das Sicherungsvermögen ist mit 2,0 Prozent pro Jahr angesetzt. Der Absicherungszeitpunkt liegt bewusst auf dem Tiefpunkt und zeigt damit den ungünstigen Fall.

Wer am Tiefpunkt absichert und dort bleibt, hat den Verlust festgeschrieben und nichts von der Erholung. Wer nach einem Jahr zurückkehrt, holt den größten Teil des Rückstands wieder auf. Zwischen diesen beiden Linien liegt kein Kostenunterschied, sondern ein Konstruktionsunterschied.

Für dich heißt das: Der Fondssparplan ist nicht automatisch der Weg mit der hohen Aktienquote. Ob er es ist, steht in deinem letzten Jahresauszug, nicht im Prospekt. Wenn dort seit Jahren überwiegend ein Rentenfonds ausgewiesen wird, hat dein Vertrag nicht zurückgefunden.

Der Riester-Bausparvertrag

Der Weg, bei dem ich am ehesten deutlich werde. Ein Riester-Bausparvertrag ist eine Wette darauf, dass der alte, heute vereinbarte Darlehenszins in der Zuteilungsphase günstiger ist als der dann geltende Marktzins. Über die letzten 30 Jahre gerechnet gab es dafür nur wenige Fenster, in denen die Wette aufging. Das ist eine Einschätzung aus der Bestandsdurchsicht und keine Statistik, aber die Richtung ist eindeutig.

Schlimmer als die Wette selbst ist, dass du sie nicht korrigieren kannst, wenn sie schiefgeht:

  • Eine zu niedrig gewählte Bausparsumme lässt sich nicht nachträglich zu den alten Konditionen erhöhen.
  • Zuzahlungen, mit denen du das Darlehen sofort volltilgen und eine schwache Ansparphase überbrücken könntest, sind nicht vorgesehen.
  • Der Ausstieg ist kompliziert, und die Förderung hängt an der wohnwirtschaftlichen Verwendung.

Ein Vertrag, den du nicht nachsteuern kannst, ist in der Altersvorsorge ein Problem, weil sich über 30 Jahre garantiert etwas ändert. In deinem Leben, an den Zinsen, oder an beidem.

Die fondsgebundene Riester-Rentenversicherung

Investmentgebunden wie der Fondssparplan, aber im Versicherungsmantel. Verrentet wird auch hier, der Unterschied ist ein anderer: Die Rentenphase ist Vertragsbestandteil, der Rentenfaktor steht von Anfang an in der Police. Du musst am Ende also keine Rentenversicherung zu unbekannten Konditionen kaufen, du hast sie schon.

Mit einer wichtigen Einschränkung, die viele nur bei klassischen Verträgen vermuten: Treuhänderklauseln gibt es auch hier. Auch ein fondsgebundener Riester-Tarif kann eine Klausel enthalten, über die der Rentenfaktor während der Laufzeit nach unten angepasst wird. Der Wert in deiner Police ist also nicht automatisch der Wert, mit dem am Ende gerechnet wird. Das ist der eine Punkt, den du in den Bedingungen tatsächlich nachschlagen solltest, und zwar bei jeder Riester-Rentenversicherung, egal ob klassisch oder fondsgebunden.

Die Beitragsgarantie wird bei den moderneren Tarifen über einen sogenannten iCPPI-Mechanismus gesteuert. Das Kürzel steht für eine individuelle, börsentäglich gerechnete Steuerung zwischen Aktien- und Sicherungsvermögen.

Und hier gehört eine Selbstkorrektur hin, weil ich genau diesen Punkt lange falsch erklärt habe: Der Cash-Lock aus dem Fondssparplan-Abschnitt ist kein iCPPI-Problem. Im Gegenteil. Das „i” steht für individuell, und die Steuerung läuft in beide Richtungen. Sie schichtet auch aus dem Sicherungsvermögen wieder in den Investmentteil zurück, sobald der Puffer es zulässt. Genau daran unterscheiden sich die Tarife, die den Mechanismus verstanden haben, von den starren Zwei-Topf-Modellen. Wer beides in einen Topf wirft, weil beide „umschichten”, verfehlt den entscheidenden Unterschied.

Der reale Nachteil liegt woanders: beim Preis der Garantie. Die Absicherung kostet laufend, und sie drückt die Investitionsquote ausgerechnet dann, wenn der Puffer dünn ist. Du bezahlst für eine Beitragsgarantie, die bei 30 Jahren Restlaufzeit wenig Wert hat, weil über so einen Zeitraum ein breit gestreutes Aktiendepot ohnehin selten unter den Einzahlungen liegt.

Ein zweiter Punkt, der beim Vergleichen regelmäßig zu falschen Schlüssen führt: Die im Angebot ausgewiesene Effektivkostenquote gibt bei diesen Tarifen eine Obergrenze an. Sie prognostiziert nichts. Weil die Absicherungskosten mit dem Marktumfeld schwanken, muss der Versicherer einen Wert nennen, den er auch in einem teuren Jahr einhält. In einem mir vorliegenden Riester-Angebot von 2026 stehen deshalb 2,09 Prozentpunkte, während die tatsächlich realisierten Kosten vergleichbarer Bestandsverträge eher bei 1,0 bis 1,3 Prozent liegen.

Wer diese 2,09 gegen die 1,39 eines Tarifs ohne Absicherungsmechanismus stellt, vergleicht eine Obergrenze mit einem Erwartungswert. Das sieht aus wie ein Kostenvergleich, ist aber keiner.

Die klassische Riester-Rentenversicherung

Der Weg mit der längsten Geschichte und den meisten enttäuschten Erwartungen. Das Guthaben liegt im Sicherungsvermögen des Versicherers und wird mit dem Rechnungszins plus Überschüssen verzinst. Bei den Verträgen aus der Niedrigzinsphase bleibt davon nach Kosten wenig übrig. Kleines Guthaben am Ende bedeutet kleine Rente, unabhängig davon, wie gut der Rentenfaktor ist.

Ein Punkt, der in Beratungen regelmäßig für Überraschung sorgt: Der Rentenfaktor steht zwar in der Police, ist aber bei vielen Tarifen nicht unantastbar. Über Treuhänderklauseln haben einzelne große Versicherer ihn während der Laufzeit nach unten angepasst, als die Rechnungszinsen fielen. Rechtlich zulässig, für den Kunden bitter, und praktisch unsichtbar, solange er die Jahresmitteilungen nicht nebeneinanderlegt.

Wenn du einen klassischen Riester hast, ist das der eine Wert, den du dir aus alten und neuen Unterlagen heraussuchen solltest.

Wohn-Riester

Der Sonderfall und die einzige echte Ausnahme vom Verrentungszwang. Die Förderung fließt hier in die selbstgenutzte Immobilie, entweder als Tilgung oder als Entnahme aus dem angesparten Kapital.

Das kann richtig gut funktionieren, wenn die Immobilie ohnehin feststeht. Es ist aber kein Selbstläufer, und der Grund heißt Wohnförderkonto. Dort werden die geförderten Beträge erfasst und bis zum Rentenbeginn mit 2 Prozent jährlich aufgezinst. Im Ruhestand wird dieses Konto nachgelagert besteuert, obwohl dir nie Geld zufließt: Du wohnst ja in der Immobilie, du bekommst keine Rente ausgezahlt.

Wer damit rechnet, für den ist Wohn-Riester ein gutes Werkzeug. Wer nicht damit rechnet, erlebt im Rentenalter eine Steuerlast, für die kein Zahlungsstrom gegenübersteht.

Und der zweite Punkt, der oft untergeht: Du bist an die Selbstnutzung gebunden. Begünstigt ist nach § 92a Absatz 1 Satz 5 EStG nur ein eigenes Haus, eine Eigentumswohnung oder eine Genossenschaftswohnung, die in der EU oder im EWR liegt und deine Hauptwohnung oder den Mittelpunkt deiner Lebensinteressen darstellt. Eine vermietete Wohnung, eine Zweitwohnung oder ein Ferienhaus scheiden aus.

Ziehst du aus oder verkaufst du, gilt das als Aufgabe der Selbstnutzung. Dann wird dein Wohnförderkonto aufgelöst, und der gesamte darin stehende Betrag gilt in diesem Jahr als zugeflossene Leistung. Also voll zu versteuern, auf einen Schlag, ohne dass dir Geld zufließt.

Es gibt Auswege, aber sie sind eng und du musst sie deinem Anbieter anzeigen:

AuswegFrist
Du steckst den Betrag in eine weitere selbstgenutzte Wohnung2 Jahre vor bis 5 Jahre nach Ablauf des Jahres der letzten Selbstnutzung
Du zahlst den Betrag auf einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag auf deinen Namen ein1 Jahr nach Ablauf dieses Jahres
Du ziehst wieder in dieselbe Wohnunginnerhalb von 5 Jahren
Du musst krankheits- oder pflegebedingt ausziehenohne Frist, aber du musst Eigentümer bleiben und außer deinem Ehepartner darf niemand darin wohnen
Die Ehewohnung wird per Gerichtsentscheidung dem anderen Ehegatten zugewiesenentfällt

Das ist kein Beinbruch, wenn man es vorher weiß. Es heißt nur: Wohn-Riester passt zu jemandem, der in dieser Immobilie tatsächlich wohnen bleiben will. Wer damit flexibel Vermögen aufbauen und später umschichten möchte, ist auf dem falschen Weg.

Riester über den Betrieb

Der Weg, den fast alle Übersichten vergessen, und der in Beratungen regelmäßig als Überraschung auftaucht: Riester geht auch in der betrieblichen Altersversorgung.

Möglich ist das bei drei der fünf bAV-Durchführungswege, nämlich Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds (§ 82 Absatz 2 EStG). Direktzusage und Unterstützungskasse scheiden aus. Entscheidend ist dabei ein Detail, das den ganzen Charakter des Vertrags bestimmt: Die Beiträge fließen aus individuell versteuertem Arbeitslohn, also aus deinem Netto. Das ist das Gegenteil der üblichen Entgeltumwandlung, bei der aus dem Brutto gespart wird.

Dafür bekommst du Zulagen und Steuerermäßigung wie bei jedem anderen Riester-Vertrag, und die Rentenphase ist Vertragsbestandteil. Der Rentenfaktor steht also fest, es gibt keinen Verrentungszwang zu unbekannten Konditionen.

Lange hatte dieser Weg einen Konstruktionsfehler, der ihn für viele unattraktiv machte: In der Rente fielen auf die Auszahlung volle Krankenversicherungsbeiträge an, obwohl die Beiträge aus bereits verbeitragtem Netto stammten. Doppelt belastet, einmal beim Einzahlen und einmal beim Auszahlen.

Das ist seit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz erledigt. § 229 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5 SGB V nimmt Riester-geförderte Betriebsrenten ausdrücklich aus: „außer Betracht bleiben Leistungen aus Altersvorsorgevermögen im Sinne des § 92 des Einkommensteuergesetzes”. Wer noch einen alten Vertrag hat und die damalige Warnung im Kopf, sollte das wissen.

Was bleibt, ist die Bindung an den Arbeitgeber. Beim Jobwechsel musst du klären, ob der neue Arbeitgeber den Vertrag übernimmt, ob du ihn privat weiterführen kannst oder ob er beitragsfrei stehen bleibt. Das ist der Punkt, an dem dieser Weg im echten Leben scheitert, nicht die Förderung.

Und ein Hinweis zur Einordnung, weil hier zwei Rechtsstände nebeneinanderliegen: Alles oben beschreibt die bestehenden Riester-Wege. Die Förderung, die ab 2027 gilt, funktioniert anders. Was der Staat dir nach neuem Recht dazugibt, rechnest du im Förderrechner in 30 Sekunden durch.

Die sieben Wege nebeneinander

DurchführungswegAnlageRentenfaktorHauptrisiko
Banksparplanunverzinstes Kontoerst bei RentenbeginnKaufkraftverlust über die Ansparphase
FondssparplanFonds, Garantie über zwei Töpfeerst bei RentenbeginnCash-Lock nach einer Krise
BausparvertragBausparguthabenerst bei RentenbeginnZinswette, keine Korrekturmöglichkeit
Fondsgebundene RenteFonds, Garantie über iCPPIsteht in der Policelaufender Preis der Garantie
Klassische RenteSicherungsvermögensteht in der Police, Treuhänderklausel prüfenniedrige Verzinsung, kleines Guthaben
Wohn-RiesterImmobilieentfälltWohnförderkonto und dessen Besteuerung
Riester über den BetriebDirektversicherung, Pensionskasse, Pensionsfondssteht in der PoliceBindung an den Arbeitgeber beim Jobwechsel

Was das für den Wechsel ins Altersvorsorgedepot bedeutet

Ab 2027 kommt das Altersvorsorgedepot, und die naheliegende These lautet: Wer einen gut gelaufenen, investmentgebundenen Riester hat, überträgt ihn und gewinnt doppelt. Die Förderung bleibt erhalten, und die schwache Auszahlungsphase mit ihren Rentenfaktoren entfällt zugunsten eines Entnahmeplans.

Für viele stimmt das. Es gibt aber einen Gegeneinwand, den ich sonst nirgends lese.

Wenn dein Altvertrag eine höhere Aktienquote fährt als das, was du im Altersvorsorgedepot tatsächlich anlegen wirst, dann kostet ein früher Wechsel Rendite. Dann kann es klüger sein, den Altvertrag noch Jahre laufen zu lassen und erst näher am Rentenbeginn zu übertragen. Du nimmst die hohe Aktienquote der frühen Jahre mit, in denen sie am meisten bringt, und den Entnahmeplan am Ende. Das gilt vor allem für einen gut laufenden Fondssparplan oder eine fondsgebundene Rente mit funktionierendem iCPPI.

Bevor du diesen Gedanken zu weit treibst, drei Dinge, die ich im Gesetzestext nachgesehen habe, weil dazu viel Halbwissen kursiert. Maßgeblich ist § 1 Absatz 1b des Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes in der Fassung des Altersvorsorgereformgesetzes.

Eine Anleihenquote schreibt das Gesetz nicht vor. Aufgezählt sind zulässige Anlagen, darunter Investmentfonds und Schuldverschreibungen öffentlicher Emittenten. Eine Mindest- oder Höchstquote für Anleihen steht dort nirgends. Ein Anleihenanteil entsteht nur, wenn der Anbieter ihn in sein Anlagekonzept legt.

Garantien sind sogar ausgeschlossen. Der Vertrag darf weder ein Mindestkapital zum Ende der Ansparphase noch eine Mindestwertentwicklung während der Ansparphase vorsehen. Es gibt im Altersvorsorgedepot also auch keine wählbaren Garantieniveaus, an denen eine Anleihenbeimischung hängen könnte. Anders als beim Riester, wo die Beitragsgarantie Pflicht ist und genau die Kosten verursacht, über die oben zu lesen war.

Du darfst selbst auswählen, wenn dein Vertrag die Option vorsieht. Grundsätzlich wählt der Anbieter die Anlagen aus. Das Gesetz lässt aber ausdrücklich zu, dass du diese Auswahl selbst triffst, sofern du eine entsprechende vertragliche Option ausgeübt hast. Wer sie hat, kann eine Aktienquote von 100 Prozent fahren.

Die einzige harte Grenze ist die Risikoklasse: Zulässig sind nur Fonds, die im Basisinformationsblatt höchstens in Risikoklasse 5 von 7 eingestuft sind. Breite Aktien-ETFs liegen typischerweise bei 4 und sind damit unproblematisch. Enge oder gehebelte Produkte fallen heraus.

Was offen bleibt, ist das staatlich organisierte Standarddepot. Dessen Anlagekonzept wird in einer Rechtsverordnung festgelegt, und die ist bis heute nicht erlassen. Ob dort eine Anleihenbeimischung vorgesehen wird, weiß im Moment niemand, und wer etwas anderes behauptet, rät.

Für dich heißt das: Die Sorge vor einer aufgezwungenen Anleihenquote trifft einen frei gewählten Altersvorsorgedepot-Vertrag nicht. Die Frage nach dem richtigen Wechselzeitpunkt bleibt trotzdem berechtigt, sie muss nur genauer gestellt werden. Sie lautet: Legt mein Zieldepot tatsächlich höher investiert an als mein Altvertrag? Und wenn ich das heute noch nicht beantworten kann, weil der Zielvertrag noch gar nicht existiert, ist das ein Argument fürs Abwarten.

Wie du die Wechselfrage sonst noch angehst, steht im Beitrag Riester ins Altersvorsorgedepot wechseln.

Nicht die Kosten entscheiden, sondern Ertrag minus Kosten

Ein Satz, der in Vergleichsportalen fehlt und der über deinen Vertrag mehr sagt als jede Kostenquote: Eine Gebühr ist nur im Verhältnis zu dem beurteilbar, was der Vertrag damit erwirtschaften kann.

1,5 Prozent laufende Kosten in einem Vertrag, der 6 Prozent Bruttorendite schafft, sind ärgerlich. Dieselben 1,5 Prozent in einem Vertrag, der strukturell nur 1 Prozent erwirtschaften kann, bedeuten, dass dein Guthaben jedes Jahr kleiner wird. Die Zahl ist dieselbe, das Ergebnis ist ein völlig anderes.

Deshalb ist die Reihenfolge wichtig, und sie lautet:

  1. Was kann dieser Durchführungsweg realistisch an Rendite tragen? Ein unverzinstes Konto kann gar nichts. Ein Bausparguthaben fast nichts. Ein investmentgebundener Vertrag kann viel, wenn er investiert ist.
  2. Kann ich daran etwas verbessern? Kann ich die Fonds wechseln, die Aktienquote erhöhen, aus dem Rentenfonds zurück in den Aktienfonds? Bei einem Fondssparplan oder einer fondsgebundenen Rente ist das oft möglich und kostenlos. Bei einem Banksparplan gibt es nichts zu drehen.
  3. Erst jetzt die Kosten abziehen und schauen, was unter dem Strich bleibt.

Wer bei Schritt 3 anfängt, kommt bei den falschen Verträgen heraus. Er kündigt einen teuren, aber gut investierten Vertrag und behält einen billigen, der nichts verdient.

Wie du in zehn Minuten herausfindest, welchen Weg du hast

Du brauchst deinen letzten Jahresauszug und die Vertragsunterlagen. Danach beantwortest du vier Fragen:

FrageWo es stehtWas es dir sagt
Steht dort ein Rentenfaktor oder eine garantierte Rente je 10.000 Euro?Police, VersicherungsscheinWenn ja: Rentenversicherung. Wenn nein: Sparvertrag mit Verrentungszwang
Werden Fondsanteile oder Stückzahlen ausgewiesen?JahresauszugWenn ja: investmentgebunden. Wenn nein: Konto, Sicherungsvermögen oder Bausparguthaben
Welche Fonds sind es, und seit wann?Jahresauszug, FondsaufstellungÜberwiegend Rentenfonds seit Jahren deutet auf einen Cash-Lock hin
Steht eine Effektivkostenquote drin, und mit welchem Zusatz?ProduktinformationsblattBei Garantiemechanismen bezeichnet sie oft eine Obergrenze und keinen Erwartungswert

Die vierte Frage ist die, bei der die meisten hängen bleiben, und ehrlicherweise auch viele Berater.

Wenn du nach diesen vier Fragen unsicher bist, welchen Vertrag du hast und was du damit machen sollst: Mach den Riester-Check. Du bringst deine Unterlagen mit, wir gehen den Durchführungsweg, die Kosten und den Rentenfaktor gemeinsam durch, und du gehst mit einer Entscheidung raus statt mit einem Gefühl. Termin buchen. Wenn du ohnehin mehrere Verträge und ein Depot hast, schau dir auch den Depotcheck an.

Häufige Fragen

Wie viele Riester-Durchführungswege gibt es?

Sieben, die in der Praxis vorkommen: Banksparplan, Fondssparplan, Bausparvertrag, fondsgebundene Rentenversicherung, klassische Rentenversicherung, Wohn-Riester und Riester in der betrieblichen Altersversorgung. Die Deutsche Rentenversicherung zählt die Wohn-Riester-Produkte zusätzlich einzeln auf, also Riester-Darlehen, Riester-Bausparvertrag, Bausparvertrag mit Darlehen und Kombi-Kredit. Alle bekommen dieselben Zulagen nach den §§ 79 ff. EStG, unterscheiden sich aber in Anlage, Kosten und Auszahlung erheblich.

Welcher Riester-Durchführungsweg ist der beste?

Es gibt keinen, der für alle der beste wäre. Über 20 Jahre und mehr haben die investmentgebundenen Wege das größte Potenzial, weil sie überhaupt Rendite erwirtschaften können. Ob dein konkreter Vertrag dieses Potenzial gehoben hat, hängt am Anbieter und daran, ob er nach Krisen wieder investiert war. Für jemanden, der sicher eine Immobilie kauft, kann Wohn-Riester der passende Weg sein. Der Banksparplan und der Bausparvertrag sind die Wege, bei denen ich am seltensten einen guten Grund zum Weitermachen sehe.

Kann ich den Durchführungsweg wechseln?

Ja. Du kannst dein Riester-Guthaben von einem zertifizierten Vertrag auf einen anderen übertragen lassen, auch auf einen anderen Durchführungsweg. Der abgebende Anbieter darf dafür in den ersten fünf Jahren bis zu 150 Euro berechnen, danach muss die Übertragung kostenfrei erfolgen. Die Förderung bleibt dabei vollständig erhalten. Ab 2027 kommt der Übertrag ins Altersvorsorgedepot als weitere Möglichkeit dazu.

Was bedeutet Verrentungszwang bei Riester?

Riester-Kapital muss im Grundsatz lebenslang verrentet werden, und zwar bei jedem Durchführungsweg. Die einzige echte Ausnahme ist die wohnwirtschaftliche Verwendung. Bis zu 30 Prozent des Kapitals kannst du dir zu Beginn der Auszahlungsphase auf einen Schlag auszahlen lassen, der Rest wird zur Rente. Die Wege unterscheiden sich darin, wann die Konditionen der Verrentung feststehen. Bei einer Riester-Rentenversicherung steht der Rentenfaktor bereits im Vertrag. Bei Banksparplan, Fondssparplan und Bausparvertrag muss am Ende der Ansparphase eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag gekauft werden, zu den dann geltenden Bedingungen.

Darf ich eine mit Wohn-Riester gekaufte Immobilie wieder verkaufen?

Ja, aber nicht folgenlos. Verkauf oder Auszug gelten als Aufgabe der Selbstnutzung. Dann wird das Wohnförderkonto aufgelöst und der komplette Betrag im selben Jahr als Leistung versteuert, obwohl dir kein Geld zufließt. Vermeiden lässt sich das, wenn du den Betrag innerhalb von fünf Jahren nach Ablauf des Jahres der letzten Selbstnutzung in eine weitere selbstgenutzte Wohnung steckst, wenn du ihn innerhalb eines Jahres auf einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag einzahlst oder wenn du innerhalb von fünf Jahren wieder einziehst. Weitere Ausnahmen gelten bei krankheits- oder pflegebedingtem Auszug und bei gerichtlicher Zuweisung der Ehewohnung. Die Reinvestitionsabsicht musst du deinem Anbieter anzeigen (§ 92a Absatz 3 EStG).

Was ist ein Cash-Lock?

So heißt es, wenn ein Vertrag zur Absicherung seiner Garantie in einer Krise aus Aktien in sichere Anlagen umschichtet und danach nicht wieder in den Markt zurückfindet. Das Guthaben bleibt dauerhaft im Sicherungstopf und verpasst die Erholung. Betroffen sind vor allem starre Zwei-Topf-Modelle. Eine individuelle, börsentäglich rechnende Steuerung wie iCPPI schichtet dagegen auch wieder zurück.

Ich bin Mitte 20 und habe einen alten Riester. Lohnt sich das noch?

Das hängt am Durchführungsweg und an der Frage, was du stattdessen tun würdest. Für Berufseinsteiger ist ab 2027 vor allem der einmalige Bonus von 200 Euro interessant, der an das Altersvorsorgedepot geknüpft ist. Mehr dazu unter Berufseinsteigerbonus: Voraussetzungen. Was mit einem bestehenden Riester-Vertrag sinnvoll ist, rechnest du am besten konkret durch, siehe Riester kündigen.


Unsicher, welchen der sieben Wege du hast und wie du damit umgehen sollst? Dafür gibt es den Riester-Check: Du bringst die Unterlagen mit, wir sortieren gemeinsam, was dein Vertrag kann und was er kostet. Eine Stunde, kostenfrei. Termin buchen.

Quellen

4,9 aus 285 Kundenbewertungen
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