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Altersvorsorgedepot bei Scalable: Was der Preiskampf für deinen Start 2027 bedeutet

Straßenansicht vor dem Büro Hohenzollernstraße 25 in Hannover, davor der Titel: Der Preiskampf hat begonnen

Seit dem 27. August 2026 kannst du dich beim ersten Anbieter fürs neue Altersvorsorgedepot voranmelden. Wer das im Kundenbereich tut, landet automatisch in einem Gewinnspiel: 5 Gewinner bekommen 540 Euro pro Jahr, gezahlt ab 2027 bis zur Regelaltersgrenze (Quelle: Stiftung Warentest).

An der Zahl bin ich hängen geblieben. 540 Euro im Jahr ist nämlich exakt die maximale Grundzulage, die dir der Staat ab 2027 auf dein Altersvorsorgedepot zahlt, wenn du 1.800 Euro im Jahr einzahlst (Quelle: Bundesfinanzministerium). Verlost wird also der Betrag, den 5 Leute mit Losglück geschenkt bekommen und den sich alle anderen mit einem Dauerauftrag holen können.

Kurz gesagt: Scalable Capital hat als erster Anbieter konkrete Konditionen fürs Altersvorsorgedepot genannt und seit dem 27. August 2026 die Voranmeldung im Kundenbereich geöffnet. Angekündigt sind: keine Konto-, Depot-, Sparplan- und Ordergebühren, laufende ETF-Kosten von 0,00 Prozent im ersten Jahr und danach maximal 0,15 Prozent pro Jahr, deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel von 1,0 Prozent. Andere Häuser ziehen nach, comdirect stellt einen Early-Bird-Bonus von 50 Euro in Aussicht. Eine Voranmeldung ist kein Vertrag, zertifiziert ist Stand September 2026 kein einziges Produkt. Und die Förderung fürs Beitragsjahr 2027 bekommst du auch, wenn du erst im Dezember 2027 abschließt. Der Zeitdruck ist also deutlich kleiner, als das Gewinnspiel suggeriert. Meine Empfehlung: vorerst nirgends vormerken. Solange die Verträge nicht zertifiziert sind und die Verordnung fehlt, lässt sich noch gar nicht fundiert entscheiden.

Was der erste Anbieter jetzt konkret geöffnet hat

Die Eckpunkte, wie sie derzeit kursieren:

WasKondition
Konto- und Depotführung, Sparplan, Ein- und Auszahlungen, Käufe und Verkäufe0 Euro
Laufende ETF-Kosten 20270,00 Prozent (Anbieter übernimmt sie)
Laufende ETF-Kosten danachmaximal 0,15 Prozent pro Jahr
Gesetzlicher Kostendeckel zum Vergleich1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr
Voranmeldungseit 27.08.2026 im Kundenbereich, bis 31.12.2026
Produktstart1. Januar 2027

Neukunden müssen dafür erst ein normales Depot oder Konto eröffnen, die Voranmeldung hängt am bestehenden Kundenbereich (Quelle: Stiftung Warentest).

Ich habe hier vor einigen Wochen geschrieben, es gebe nichts zu reservieren. Das muss ich präzisieren: Es gibt jetzt eine Voranmeldung. Was es weiterhin nicht gibt, ist ein Produkt. Zertifiziert ist noch keiner dieser Verträge, die Verordnung zum staatlichen Standarddepot liegt nicht vor, und ein Kontingent, das ausgehen könnte, existiert nicht. Eine Voranmeldung ist ein Häkchen im Kundenbereich. Unterschrieben hast du damit nichts.

Meine Empfehlung ist trotzdem klar: Melde dich vorerst nirgends vor. Weder hier noch bei den Häusern, die in den nächsten Wochen nachziehen. Solange kein Vertrag zertifiziert ist und die Verordnung zum Standarddepot fehlt, kannst du gar nicht beurteilen, worauf du dich da einlässt. Kosten tut so ein Häkchen dich nichts, es setzt aber einen Anker: Du hast dich schon mal für ein Haus entschieden, bevor es überhaupt etwas zu entscheiden gab. Sobald feststeht, was niet- und nagelfest ist, legen wir die Angebote nebeneinander. Vorher wäre jede Empfehlung von mir unseriös.

Was der Preiskampf für dich bedeutet

Die Börsen-Zeitung nennt es eine Preisschlacht, und der Begriff passt. Nach dem Vorstoß erklärte comdirect, unter dem Kostendeckel zu bleiben, und stellt Kunden, die Anfang 2027 eröffnen, zusätzlich 50 Euro Early-Bird-Bonus in Aussicht. Smartbroker+ hat eigene Konditionen für die kommenden Wochen angekündigt, ING und Trade Republic werben ebenfalls (Quelle: Börsen-Zeitung).

Zehn Tage später hat sich daran wenig geändert, und das ist der eigentliche Befund. comdirect lädt inzwischen selbst zur Registrierung ein, mit den Worten „Sichere dir deinen Platz für das Altersvorsorgedepot”. Im eigenen Magazin schreibt das Haus gleichzeitig, die konkreten Angebote der Anbieter befänden sich „derzeit in Vorbereitung”, und nennt bis heute keine eigene Zahl (Quelle: comdirect Magazin). Genau darum geht es bei einer Vormerkung: Du sicherst dir einen Platz für ein Angebot, dessen Preis noch niemand kennt.

Das ist eine gute Nachricht, aber nicht die, die alle daraus lesen. Wenn am Aegi eine neue Tankstelle aufmacht und den Liter um 8 Cent senkt, fährst du hin. Nur tankst du dort nächste Woche wieder woanders. Ein Altersvorsorgevertrag läuft 40 Jahre, und die Preise, die du heute liest, sind Startpreise in einem Markt, in dem der zweite und dritte Anbieter ihre Zahlen noch gar nicht genannt haben.

Deshalb bleibt die Rechnung dieselbe wie immer: Die Frage ist nie, was ein Depot kostet, sondern was du dafür bekommst. 0,15 Prozent ohne alles ist für Selbstentscheider ein starkes Werkzeug. Ein Vertrag, der näher am 1-Prozent-Deckel liegt, kann trotzdem passen, wenn echte Leistung dahintersteht, etwa Beratung, ein Garantie-Baustein oder die Option auf wohnwirtschaftliche Nutzung. Teuer ist nur, was kostet, ohne etwas zurückzugeben. Die ganze Kostenlogik mit den 5 Fragen, die du 2027 jedem Anbieter stellst, steht ausführlich im Kosten- und Anbieter-Artikel.

Zwei Preisstrategien, und warum das bei 40 Jahren Laufzeit zählt

Wenn ein Anbieter mit 0 Euro in einen neuen Markt geht, steckt dahinter meistens eine von zwei Strategien aus dem Lehrbuch. Es lohnt sich, beide zu kennen, weil man dann am Preisschild ablesen kann, was der Anbieter eigentlich vorhat.

Die eine ist die Penetrationspreisstrategie: „Preisstrategie bei der Einführung neuer Produkte; dabei wird der Preis in der ersten Phase möglichst niedrig angesetzt, um so schnell einen hohen Marktanteil zu erreichen” (Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon). Verdient wird später: über höhere Preise nach der Einführungsphase, über Zusatzprodukte, oder schlicht darüber, dass die Leute bleiben, weil ein Wechsel Mühe macht. Das Fitnessstudio, das im Januar den ersten Monat verschenkt, macht genau das.

Die andere ist das Gegenteil davon, die Abschöpfungspreispolitik, auch Skimming Pricing genannt: „Preisdifferenzierung bei Einführung eines neuen Produktes mit anfänglich hohen und später sukzessiv verringerten Preisen” (Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon). Zuerst zahlen die, denen es am meisten wert ist. Apple ist das Standardbeispiel, dort verbunden mit einer Hochpreisstrategie, bei der es grundsätzlich keine Rabatte gibt. Wer den Preis nicht zahlen will, gehört dort eben nicht zur Zielgruppe.

Scalable fährt erkennbar die erste Variante. Die Fondskosten im Standarddepot sollen 2027 bei 0,00 Prozent liegen, weil der Anbieter sie übernimmt, danach bei maximal 0,15 Prozent. Wer ein Jahr lang die Kosten seiner Kunden aus der eigenen Tasche zahlt, kauft Marktanteil.

Daran ist nichts Verwerfliches, und für dich ist es zunächst schlicht günstig. Es gehört nur die Frage dazu, die bei jeder Penetrationsstrategie mitläuft: Was passiert, wenn der Einführungspreis seine Aufgabe erledigt hat?

Bei einem Streamingdienst wäre die Antwort offen. Beim Altersvorsorgedepot gibt es zwei Leitplanken, die es anderswo nicht gibt. Das Gesetz deckelt die Effektivkosten zertifizierter Verträge bei 1,0 Prozent pro Jahr, und du hast ein Wechselrecht. Der Spielraum nach oben ist also begrenzt, anders als bei einem Abo, das einfach teurer werden kann.

Damit wird aus dem Bauchgefühl eine Prüffrage, die du 2027 jedem Anbieter stellst:

  1. Welche Zahl landet im Vertrag, und welche steht nur in der Pressemitteilung? Zertifiziert ist bislang keiner dieser Tarife.
  2. Was gilt nach der Einführungsphase, ab wann, und wer darf das ändern? Bei Scalable ist der Sprung von 0,00 auf bis zu 0,15 Prozent bereits angekündigt.
  3. Was kostet der Weg wieder hinaus? Ein niedriger Einstiegspreis bringt wenig, wenn ein späterer Wechsel teuer wird.

Die dritte Frage ist die entscheidende, und sie ist zugleich die, die in keiner Werbung beantwortet wird.

Verlierst du etwas, wenn du bis Dezember 2027 wartest?

Das ist die eigentliche Frage hinter dem Gewinnspiel, und die Antwort entspannt die Lage. Die Stiftung Warentest rät ausdrücklich zur Ruhe: Die staatliche Förderung für das Beitragsjahr 2027 lässt sich auch noch beanspruchen, wenn der Vertrag erst im Dezember 2027 zustande kommt (Quelle: Stiftung Warentest).

Der Grund dahinter ist die Systematik: Die Zulage bemisst sich nach den Altersvorsorgebeiträgen eines Beitragsjahres, nicht nach dem Datum deiner Unterschrift. Wer im Dezember 2027 den Mindesteigenbeitrag von 120 Euro einzahlt, hat für 2027 gezahlt (Quelle: Bundesfinanzministerium).

Das dreht die Dringlichkeit um. Der Hebel liegt darin, dass am Ende des Beitragsjahres Geld auf dem richtigen Vertrag liegt. Wer im Januar der Erste ist, hat davon nichts. Für dich heißt das: Du kannst 2027 in Ruhe zwei oder drei fertige, zertifizierte Angebote vergleichen, statt heute Pressemitteilungen gegeneinanderzuhalten.

Zwei Termine sind trotzdem echt und hängen nicht am Anbieter:

StichtagWarum er zählt
Beginn des BeitragsjahresWer da noch keine 25 ist, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus
Ende des BeitragsjahresBis dahin müssen mindestens 120 Euro eingezahlt sein, sonst fließt keine Zulage

Der erste Termin ist der teurere. Wer am 1. Januar 2027 schon 25 ist, bekommt die 200 Euro nie mehr, egal welchen Anbieter er wählt. Details dazu im Artikel zum Berufseinsteigerbonus. Was du bis dahin wirklich vorbereiten kannst, steht in der Übersicht Riester, Depot, Frühstart-Rente: was du 2026 entscheiden musst, und wie deine eigenen Zahlen aussehen, rechnest du im Förderrechner nach.

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot bei Scalable

Kann ich das Altersvorsorgedepot bei Scalable Capital schon eröffnen?

Nein. Seit dem 27. August 2026 gibt es eine Voranmeldung im Kundenbereich, der Produktstart ist der 1. Januar 2027. Ein abschlussfähiger, zertifizierter Vertrag existiert Stand September 2026 bei keinem Anbieter. Die Voranmeldung bindet dich zu nichts und legt weder Konditionen noch einen Platz fest.

Was kostet das Altersvorsorgedepot bei Scalable Capital?

Angekündigt sind 0 Euro für Konto- und Depotführung, Sparplan, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe. Die laufenden ETF-Kosten im Standarddepot sollen 2027 bei 0,00 Prozent liegen, weil der Anbieter sie übernimmt, danach bei maximal 0,15 Prozent pro Jahr. Der gesetzliche Kostendeckel für zertifizierte Verträge liegt bei 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr. Bis zur Zertifizierung sind das Ankündigungen. Verbindlich werden sie erst mit dem Vertrag.

Lohnt sich die Voranmeldung wegen des Gewinnspiels?

Nein. Verlost werden 540 Euro pro Jahr an 5 Gewinner, und exakt diesen Betrag zahlt dir der Staat ab 2027 als maximale Grundzulage, wenn du 1.800 Euro im Jahr in einen geförderten Vertrag einzahlst. Was dort verlost wird, holst du dir mit einem Dauerauftrag also selbst. Vom Gewinnspiel ganz abgesehen rate ich derzeit bei jedem Anbieter von einer Vormerkung ab. Solange kein Produkt zertifiziert ist und die Verordnung zum Standarddepot fehlt, lässt sich keine fundierte Entscheidung treffen.

Welcher Anbieter ist beim Altersvorsorgedepot der beste?

Das lässt sich heute nicht beantworten, weil noch kein Produkt zertifiziert ist und mehrere Anbieter ihre Konditionen noch nicht genannt haben. Vergleichbar wird es im Lauf des Jahres 2027. Entscheidend sind dann die Gesamtkosten pro Jahr inklusive Fondskosten, die Breite der ETF-Auswahl, die Regeln für die Auszahlphase und die Leistung, die du für den Preis bekommst.

Verpasse ich Förderung, wenn ich erst später abschließe?

Nicht innerhalb desselben Beitragsjahres. Die Zulage hängt an den Beiträgen eines Kalenderjahres, nicht am Abschlussdatum. Wer 2027 abschließt und bis Jahresende mindestens 120 Euro einzahlt, ist für 2027 dabei. Verpassen kannst du dagegen den Berufseinsteigerbonus: Er setzt voraus, dass du zu Beginn des Beitragsjahres das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hast.

Kann ich den Anbieter später wechseln?

Ja. Für die Übertragung eines geförderten Vertrags darf der aufnehmende Anbieter höchstens 150 Euro Verwaltungspauschale berechnen, und ab 5 Jahren nach Vertragsabschluss muss der abgebende Anbieter kostenfrei übertragen. Eine Entscheidung 2027 bindet dich also nicht für 40 Jahre.


Du willst 2027 das Angebot nehmen, das zu deinen Zahlen passt? Wir gehen deine Situation durch, inklusive der Verträge, die du schon hast. Termin für die Finanzberatung in Hannover oder erst mal in den Vorsorge-Themen stöbern.

Quellen

  • Stiftung Warentest: „Altersvorsorgedepot ab 2027: Scalable Capital eröffnet Preiskampf um Kunden” (27.08.2026; Konditionen, Voranmeldung im Kundenbereich, Gewinnspiel über 540 Euro pro Jahr an 5 Gewinner, Hinweis auf rückwirkende Förderung für das Beitragsjahr 2027, weitere werbende Anbieter). test.de
  • Börsen-Zeitung: „Scalable eröffnet Preisschlacht beim Altersvorsorgedepot” (August 2026; Reaktion comdirect mit 50 Euro Early-Bird-Bonus, angekündigte Konditionen Smartbroker+). boersen-zeitung.de
  • comdirect Magazin: „Altersvorsorgedepot 2027” (abgerufen am 06.09.2026; Registrierungsaufruf „Sichere dir deinen Platz”, zugleich Hinweis, die konkreten Angebote der Anbieter befänden sich „derzeit in Vorbereitung”, ohne Nennung eigener Kosten). magazin.comdirect.de
  • Gabler Wirtschaftslexikon: Penetrationspreisstrategie und Abschöpfungspreispolitik (Definitionen der beiden Preisstrategien bei Produkteinführung). wirtschaftslexikon.gabler.de
  • Bundesfinanzministerium: FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Grundzulage 50 Cent je Euro auf die ersten 360 Euro und 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro, maximale Grundzulage 540 Euro pro Jahr, Mindesteigenbeitrag 120 Euro, Berufseinsteigerbonus 200 Euro vor Vollendung des 25. Lebensjahres zu Beginn des Beitragsjahres, Übertragungspauschale höchstens 150 Euro). bundesfinanzministerium.de
  • Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz), BGBl. 2026 I Nr. 156 vom 29.05.2026 (§ 84 EStG n. F. Grundzulage und Berufseinsteigerbonus, § 86 EStG n. F. Mindesteigenbeitrag). recht.bund.de
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