Das Altersvorsorgedepot 2027: Wie der Staat dir beim ETF-Sparen hilft (und wo der Haken liegt)
Zwanzig Jahre lang war die geförderte private Altersvorsorge in Deutschland ein Trauerspiel. Riester wurde 2002 als große Lösung verkauft und ist bei den meisten als unbeweglicher Vertrag gelandet, der weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Ich habe in über einem Jahrzehnt Beratung mehr enttäuschte Riester-Sparer am Tisch gehabt, als mir lieb ist. Jetzt kommt der Nachfolger, und zum ersten Mal seit langem lohnt es sich, wirklich hinzuschauen.
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot: ein staatlich gefördertes Depot, mit dem du in ETFs, Fonds und Anleihen sparst und für deine eigenen Einzahlungen echtes Geld vom Staat dazubekommst. Der Bundestag hat das Gesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt (Quelle: Deutscher Bundestag). Es ist beschlossene Sache, keine Wahlkampf-Idee. Lass uns das in Ruhe auseinandernehmen.
Kurz gesagt: Das Altersvorsorgedepot ist der Riester-Nachfolger, aber ohne verpflichtende Beitragsgarantie und mit klarem Kapitalmarkt-Fokus. Für deine ersten 360 Euro Einzahlung im Jahr legt der Staat 50 Cent pro Euro drauf, für den Rest bis 1.800 Euro noch 25 Cent, macht bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Dazu bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und einmalig 200 Euro Bonus, wenn du vor 25 startest. In der Ansparphase bleiben Gewinne steuerfrei, das Standarddepot ist bei den Kosten auf 1,0 Prozent im Jahr gedeckelt. Auszahlung frühestens mit 65. Dein alter Riester-Vertrag läuft weiter, du kannst ihn aber ohne Rückzahlung der Förderung ins neue Depot überführen.
Was ist das Altersvorsorgedepot überhaupt?
Stell dir dein normales ETF-Depot beim Broker vor. Du zahlst monatlich ein, kaufst einen breiten Welt-ETF, das Geld arbeitet über Jahrzehnte. Das Altersvorsorgedepot ist im Kern genau das, mit zwei entscheidenden Unterschieden: Der Staat schießt Zulagen dazu, und dafür ist das Geld bis zur Rente gebunden.
Der große Bruch mit Riester ist die Beitragsgarantie. Bei Riester musste der Anbieter dir zum Rentenbeginn mindestens alle eingezahlten Beiträge garantieren. Klingt gut, war aber der eigentliche Renditekiller: Um diese Garantie abzusichern, steckte das Geld überwiegend in Anleihen und Sicherungsvermögen, kaum in Aktien. In einer Nullzins-Welt blieb da fast nichts übrig. Das Altersvorsorgedepot kippt diesen Garantiezwang. Du darfst voll in Aktien-ETFs gehen, mit allen Chancen und allen Schwankungen, die dazugehören. Eine Absicherung von 80 oder 100 Prozent deiner Einzahlungen ist als Option weiterhin möglich, aber sie ist eben freiwillig und nicht mehr Pflicht (Quelle: Bundesfinanzministerium).
Der zweite wichtige Punkt: Jeder Anbieter, egal ob Bank, Broker oder Versicherer, muss ein Standarddepot anbieten, dessen Effektivkosten bei maximal 1,0 Prozent im Jahr gedeckelt sind (Quelle: Bundesregierung). Das ist eine sinnvolle Verbraucherschutz-Leitplanke und macht die Angebote ab 2027 gut vergleichbar.
Wie viel Geld legt der Staat wirklich dazu?
Bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr, wenn du 1.800 Euro selbst einzahlst. Dazu bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und einmalig 200 Euro Bonus für alle, die vor dem 25. Geburtstag starten. Die Förderung läuft über gestaffelte Zulagen, und ich rechne sie dir in Euro vor, damit es greifbar wird.
| Baustein | Wie viel | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundzulage, Stufe 1 | 50 Cent je Euro auf die ersten 360 € = bis 180 € | eigene Einzahlung |
| Grundzulage, Stufe 2 | 25 Cent je Euro von 360 € bis 1.800 € = bis 360 € | eigene Einzahlung |
| Grundzulage maximal | bis 540 € pro Jahr | 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr |
| Kinderzulage | 1 € je eingezahltem Euro bis 300 € = bis 300 € je Kind | kindergeldberechtigtes Kind |
| Berufseinsteigerbonus | einmalig 200 € | Abschluss vor dem 25. Geburtstag |
(Quellen: Bundesfinanzministerium, Bundesregierung)
Die volle Grundzulage von 540 Euro bekommst du, wenn du 1.800 Euro im Jahr einzahlst, also 150 Euro im Monat. Auf diese 1.800 Euro legt der Staat 540 Euro drauf. Das sind 30 Prozent Förderquote auf deine Einzahlung, bevor der Markt überhaupt einen Cent Rendite gemacht hat. So etwas findest du in keinem freien Depot.
Du darfst übrigens mehr einzahlen, bis zu 6.840 Euro im Jahr. Alles über 1.800 Euro wird nur nicht mehr bezuschusst, läuft aber trotzdem im geschützten, steuerbegünstigten Mantel mit.
Und die Steuer? Der zweite, oft übersehene Vorteil
Neben den Zulagen steckt der eigentliche Langfrist-Hebel in der Steuer. In der Ansparphase bleiben deine Kursgewinne und Erträge steuerfrei (Quelle: Bundesfinanzministerium). Das ist ein großer Unterschied zum normalen Depot.
In einem freien Depot knabbert der Staat jedes Jahr über die Vorabpauschale und spätestens beim Umschichten über die Abgeltungssteuer an deinem Zinseszins. Im Altersvorsorgedepot passiert das während der gesamten Sparzeit nicht. Der komplette Ertrag bleibt investiert und verzinst sich weiter. Über 30 oder 40 Jahre ist dieser Steuerstundungs-Effekt bares Geld.
Die Kehrseite dazu: In der Auszahlphase wird die Rente dann nachgelagert mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert (Quelle: Bundesfinanzministerium). Für die meisten ist der Steuersatz im Ruhestand niedriger als im Berufsleben, dann geht die Rechnung auf. Ein Selbstläufer ist es aber nicht, sondern eine Wette darauf, wie deine Situation mit 67 aussieht.
Wo liegt der Haken? Drei Dinge, die dir keiner auf die Zulagen-Broschüre druckt
Damit hier kein Werbeprospekt draus wird, die andere Seite. Das Altersvorsorgedepot ist gut, aber es ist kein Wundermittel.
Erstens: Dein Geld ist gebunden. Anders als beim freien ETF-Sparplan kommst du vor Rentenbeginn nicht dran. Wer flexibel bleiben will oder in zehn Jahren ein Haus kaufen möchte, ist mit einem normalen Depot besser bedient. Die Förderung erkaufst du dir mit Unbeweglichkeit.
Zweitens: keine Garantie heißt keine Garantie. Der Wegfall der Beitragsgarantie ist die Chance auf mehr Rendite, aber eben auch echtes Kursrisiko. Wenn kurz vor deinem 65. Geburtstag ein Crash kommt, trifft dich das. Das gehört zum vollständigen Bild dazu, auch wenn ein breit gestreutes Depot über Jahrzehnte diese Dellen historisch immer wieder aufgeholt hat.
Brauche ich überhaupt eine Garantie? Ein Blick auf 50 Jahre Weltmarkt
Bei der Garantie-Frage lohnt ein Blick in die Daten statt ins Bauchgefühl. Das Deutsche Aktieninstitut wertet im MSCI-World-Rendite-Dreieck alle Anlagezeiträume seit 1970 aus. Das Ergebnis für lange Laufzeiten ist eindeutig: Wer den Weltaktienindex 30 Jahre oder länger gehalten hat, lag historisch in jedem einzelnen Zeitraum im Plus. Selbst der schlechteste 30-Jahres-Einstieg brachte noch 6,31 Prozent Rendite pro Jahr, der beste 9,93 Prozent (Quelle: Deutsches Aktieninstitut, MSCI-World-Rendite-Dreieck).
Eine 100-Prozent-Beitragsgarantie sichert dir dagegen genau null Prozent Rendite zu, und sie kostet dich über die konservative Anlage, die sie erzwingt, jedes Jahr Renditepotenzial. Auf 30 und mehr Jahre hat der Weltmarkt in der Vergangenheit also jede Garantie geschlagen, und zwar deutlich.
Wie das über einen echten Anlegerzeitraum aussieht, zeigt unser Renditedreieck aus realen ETF-Daten der letzten 20 Jahre, in Euro und inklusive Dividenden. Die Diagonale zeigt die einzelnen Jahre mit allem Drama (2008: minus 34,9 Prozent). Je weiter du nach unten liest, desto länger die Haltedauer, und desto ruhiger wird das Bild: Wer Ende 2007 auf dem Allzeithoch direkt vor der Finanzkrise eingestiegen ist, stand nach fünf Jahren erst bei mageren 1,9 Prozent pro Jahr, nach 18 Jahren aber bei 9,9 Prozent pro Jahr.
Genauso klar gehört die andere Hälfte der Wahrheit dazu: Bei kürzeren Laufzeiten können Garantien grundsätzlich sinnvoll sein, auch wenn sie Rendite kosten. Wer nur noch 10 oder 15 Jahre bis zur Rente hat, hat historisch eben keine Sicherheit mehr, dass jeder Einstiegszeitpunkt im Plus endet. Dann ist die wählbare 80- oder 100-Prozent-Absicherung im Altersvorsorgedepot kein Unsinn, sondern ein legitimer Preis für ruhigen Schlaf. Die Garantie ist also weder Teufelszeug noch Pflichtprogramm. Sie ist eine Frage deines Zeithorizonts.
Drittens: Der Kostendeckel gilt nur fürs Standarddepot. Anbieter dürfen daneben Varianten mit mehr Leistung anbieten, etwa mit Beratung, Garantie-Baustein oder aktivem Management, und die dürfen auch mehr kosten. Der 1,0-Prozent-Deckel gilt dann nicht automatisch mit. Deshalb gehört zu jeder Variante die gleiche Frage: Welche Leistung bekomme ich für die Effektivkosten, und passt sie zu meiner Situation?
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Nicht für jeden gleich. Grob nach meiner Erfahrung:
- Berufseinsteiger und junge Sparer profitieren am meisten. Langer Anlagehorizont, der Aktien-Fokus kann seine Stärke voll ausspielen, dazu der einmalige 200-Euro-Bonus vor 25. Wer mit 24 startet, hat den Zinseszins auf seiner Seite.
- Familien holen über die Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind zusätzlich viel raus.
- Enttäuschte Riester-Sparer, deren Vertrag durch den Garantiezwang kaum Spielraum für Rendite hatte, bekommen endlich ein Vehikel, das zu ihnen passt.
- Weniger sinnvoll ist es für alle, die kurz- oder mittelfristig an ihr Geld müssen, oder für Menschen kurz vor der Rente, bei denen der lange Horizont fehlt.
Ein Beispiel aus Hannover: Lena, 24, Berufseinsteigerin
Damit das nicht abstrakt bleibt, eine typische Situation, wie sie mir ständig begegnet. Lena ist 24, frisch aus dem Studium, erster Job in Hannover. Sie legt ab 2027 monatlich 150 Euro ins Altersvorsorgedepot, also 1.800 Euro im Jahr.
Was passiert: Der Staat legt jedes Jahr die volle Grundzulage von 540 Euro dazu. Weil Lena vor ihrem 25. Geburtstag startet, gibt es einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus obendrauf. Ihre 1.800 Euro werden also im ersten Jahr zu 2.540 Euro, bevor der Markt überhaupt gearbeitet hat.
Dieses Geld liegt in einem breiten Aktien-ETF, die Gewinne bleiben in der Ansparphase steuerfrei. Über 40 Jahre bis zur Rente ist die Kombination aus Zulage, Steuerfreiheit und Aktienrendite ein Hebel, den ein normaler Sparplan in dieser Form nicht bietet.
Der Haken bei Lena: Sie kommt an dieses Geld erst mit 65. Deshalb ist das Altersvorsorgedepot bei ihr auch nicht der einzige Baustein, sondern der Renten-Topf neben einem freien, flexiblen Depot für alles davor. Genau diese Aufteilung ist der Punkt, an dem eine gute Planung anfängt.
Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?
Die Frage höre ich zurzeit am häufigsten, und die Antwort ist beruhigend: Dein Riester-Vertrag verschwindet nicht. Bestehende Riester-Verträge genießen vollen Bestandsschutz und laufen weiter (Quelle: Verbraucherzentrale). Niemand kündigt dir etwas, niemand wandelt automatisch um. Ab 2027 können nur keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.
Du hast damit drei Optionen: den Vertrag weiterlaufen lassen, ihn beitragsfrei stellen, oder ihn ins neue Altersvorsorgedepot überführen. Und jetzt kommt der Teil, der viele überrascht: Der Wechsel ins neue Depot ist möglich, ohne deine bisher erhaltene Förderung zurückzahlen zu müssen (Quelle: Bundesfinanzministerium). Die Übertragung gilt nicht als schädliche Kündigung. Deine Zulagen und Steuervorteile aus der Riester-Zeit bleiben erhalten.
Das ist der eigentliche Vorteil für alle, die schon jahrelang gespart haben: Du hast bereits Kapital und Förderung im Vertrag angesammelt. Diesen Vorsprung kannst du mitnehmen und in ein moderneres, günstigeres, chancenreicheres Vehikel packen. Ob sich der Wechsel für genau deinen Vertrag lohnt, hängt von den Details ab, von Garantien, Kosten und Restlaufzeit. Das schauen wir uns in einem eigenen Artikel Schritt für Schritt an. Wer nicht warten will, bringt seinen Riester-Vertrag einfach zum Depotcheck mit.
Wichtig, bevor du irgendetwas kündigst: Kündige nichts vorschnell, nur weil das neue Depot glänzt. Eine bestehende fondsgebundene Rentenversicherung solltest du ausdrücklich nicht einfach kündigen. Gerade wenn die Abschlusskosten der ersten Jahre längst bezahlt sind, arbeitet so ein Vertrag ab da oft deutlich günstiger, und eine Kündigung verschenkt genau diesen Vorlauf. Und auch beim Riester gilt: Ob weiterlaufen, beitragsfrei stellen oder wechseln das Richtige ist, zeigt sich erst nach einem konkreten Check durch jemanden, der sich mit diesen Verträgen wirklich auskennt. Pauschal ist hier jede Antwort falsch.
Und es gibt tatsächlich Konstellationen, in denen das alte Riester-Modell besser gefördert bleibt als das neue Depot. Das klassische Beispiel ist die junge Familie mit wenig Einkommen und mehreren Kindern, die nur sehr kleine Beiträge stemmen kann: Bei Riester genügt in solchen Fällen schon der Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr, um die volle Grund- und Kinderzulage zu kassieren. Im neuen Depot ist die Kinderzulage zwar stark (volle 300 Euro je Kind schon ab etwa 25 Euro Eigenbeitrag im Monat), aber wer selbst dafür das Budget nicht hat, fährt mit dem alten Vertrag unter Umständen weiter besser (Quelle: Finanztip). Genau solche Fälle sind der Grund, warum die Wechsel-Frage in eine individuelle Rechnung gehört und nicht in eine Pauschalempfehlung.
Wann und wie wird ausgezahlt?
Das Altersvorsorgedepot ist ein Renten-Produkt, kein Tagesgeld. Die Auszahlung beginnt frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres, spätestens mit 70 (Quelle: Bundesfinanzministerium). Dann hast du grob zwei Wege: eine lebenslange Rente, oder einen Auszahlplan, der mindestens bis zu deinem 85. Lebensjahr läuft. So oder so wird die Auszahlung nachgelagert mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert.
Wichtig für die Planung: Bis dahin ist das Geld gebunden. Wer diesen langen Atem nicht mitbringt oder braucht, sollte ehrlich mit sich sein und lieber ein flexibles Depot wählen.
Depot allein ist kein Plan: die intelligente Kombination
Ein Fehler, den ich ständig sehe: Über Altersvorsorge wird geredet, als gäbe es nur eine Schublade. Jahrelang hieß es „nur Riester”, jetzt wird schnell „nur das AV-Depot” daraus. Beides greift zu kurz. Eine tragfähige Altersvorsorge steht selten auf einem Bein, sondern auf mehreren Bausteinen, die sich gegenseitig ergänzen:
- Die eigene Immobilie als Sachwert, der im Alter Miete spart und gegen Inflation arbeitet.
- Das freie ETF-Depot, das flexibel bleibt und für alle Ziele vor der Rente da ist.
- Das geförderte Altersvorsorgedepot als der Renten-Topf mit Zulagen und Steuervorteil obendrauf.
Darunter liegt die gesetzliche Rente als Basis. Die eigentliche Kunst ist nicht, das eine „beste” Produkt zu finden, sondern diese Bausteine so zu gewichten, dass sie zu deinem Einkommen, deinem Zeithorizont und deinem Leben passen. Bei dem einen trägt die abbezahlte Wohnung den größten Teil, bei der anderen das breite Aktiendepot. Das AV-Depot ist ein starker neuer Baustein in diesem Gefüge, aber eben ein Baustein und nicht der ganze Plan. Genau diese Gewichtung kann kein Zulagen-Rechner allein leisten.
Wie startest du 2027 richtig?
Das Gesetz steht, die Produkte kommen erst 2027 an den Start. Was du jetzt sinnvoll tun kannst:
- Riester-Vertrag rauskramen. Schau nach, was du hast, welche Kosten und welche Garantie drinstecken. Das ist die Grundlage für die spätere Wechsel-Entscheidung.
- Anlagehorizont klären. Ist das ein reiner Renten-Topf für in 30 Jahren, oder verwechselst du ihn mit einem flexiblen Sparziel? Das entscheidet, ob das Depot überhaupt dein Werkzeug ist.
- Nicht auf den erstbesten Anbieter springen. 2027 werden alle mit Zulagen-Werbung um die Ecke kommen. Vergleiche das kostengedeckelte Standarddepot mit dem, was dir sonst angeboten wird, und schau auf die Effektivkosten.
- Gesamtbild statt Einzelprodukt. Das Altersvorsorgedepot ist ein Baustein, nicht der ganze Plan. Wie es zu deiner gesetzlichen Rente, deinem freien Depot und deinen kurzfristigen Zielen passt, ist die eigentliche Arbeit.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot? Die Produkte können ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Das Gesetz wurde im Frühjahr 2026 beschlossen (Bundestag 27. März, Bundesrat 8. Mai 2026).
Wie viel Förderung bekomme ich maximal? Die Grundzulage liegt bei bis zu 540 Euro im Jahr, wenn du 1.800 Euro selbst einzahlst. Dazu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag.
Ist das Altersvorsorgedepot ohne Garantie nicht zu riskant? Es ist chancenreicher und schwankungsanfälliger als Riester, weil die Beitragsgarantie wegfällt. Eine 80- oder 100-Prozent-Absicherung bleibt als Option wählbar. Historisch lag der MSCI World über jeden 30-Jahres-Zeitraum seit 1970 im Plus, im schlechtesten Fall bei 6,31 Prozent pro Jahr (Quelle: Deutsches Aktieninstitut). Bei langen Laufzeiten hat der Markt Garantien damit bisher immer geschlagen. Bei kürzeren Laufzeiten, etwa ab 10 bis 15 Jahren vor der Rente, kann eine Garantie dagegen ihren Preis wert sein.
Kann ich meinen Riester-Vertrag übertragen? Ja. Bestehende Riester-Verträge haben Bestandsschutz und laufen weiter. Du kannst sie freiwillig ins neue Altersvorsorgedepot überführen, ohne die bisher erhaltene Förderung zurückzahlen zu müssen. Ob sich das für deinen Vertrag lohnt, hängt von Kosten, Garantien und Laufzeit ab.
Was kostet ein Altersvorsorgedepot? Jeder Anbieter muss ein Standarddepot mit Effektivkosten von maximal 1,0 Prozent im Jahr anbieten. Teurere Varianten sind erlaubt, deshalb lohnt der Vergleich der Effektivkosten.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot gegenüber einem normalen ETF-Sparplan? Es kommt auf dein Ziel an. Fürs Alter schlägt die Kombination aus Zulagen und Steuerfreiheit einen freien Sparplan bei gleichem Anlagehorizont deutlich. Willst du dagegen flexibel bleiben oder mittelfristig ans Geld, ist das freie Depot besser, weil das Altersvorsorgedepot bis zur Rente gebunden ist. In der Praxis ergänzen sich beide.
Soll ich meine bestehende Rentenversicherung kündigen, um ins Altersvorsorgedepot zu wechseln? In aller Regel nein. Eine fondsgebundene Rentenversicherung, deren Anfangskosten bereits abbezahlt sind, läuft danach oft günstig weiter, und eine Kündigung verschenkt diesen Vorteil. Ob sich ein Riester-Wechsel lohnt, hängt zudem von deinem konkreten Vertrag ab. Beides gehört vor jeder Entscheidung von jemandem geprüft, der sich mit diesen Verträgen auskennt. Ein Altersvorsorgedepot ist ohnehin selten ein Ersatz, sondern eine Ergänzung neben Immobilie und freiem Depot.
Was ist der Unterschied zur Frühstart-Rente für Kinder? Die Frühstart-Rente ist ein eigenes Modell für Kinder von 6 bis 18 Jahren, in das der Staat monatlich 10 Euro einzahlt. Das Altersvorsorgedepot ist die geförderte Vorsorge für Erwachsene. Beides sind unterschiedliche Bausteine, die sich in einer Familie ergänzen können.
Du bist aus Hannover oder der Region und willst wissen, ob sich das Altersvorsorgedepot für dich lohnt oder ob dein alter Riester-Vertrag den Wechsel wert ist? Fordere hier einen kostenlosen Depotcheck an oder lies mehr über unsere Finanzberatung in Hannover. Wenn du erst dein bestehendes Depot sortieren willst: 9 Warnsignale, dass dein Fondsdepot Geld verliert.
Quellen
- Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Zulagenstaffel, Steuer, Beitragsgarantie, Auszahlung, Riester-Übertragung, Kostendeckel). bundesfinanzministerium.de
- Bundesregierung: Fragen und Antworten zur reformierten privaten Altersvorsorge (Zulagen 50/25 Cent, Berufseinsteigerbonus, Kinderzulage, Kostendeckel). bundesregierung.de
- Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot (Beschluss 27. März 2026). bundestag.de
- Verbraucherzentrale: Riester-Reform und Altersvorsorgedepot, was bedeutet das für mich? (Bestandsschutz, Wechseloptionen). verbraucherzentrale.de
- Deutsches Aktieninstitut: MSCI-World-Rendite-Dreieck über 50 Jahre (rollierende 30-Jahres-Renditen 6,31 bis 9,93 Prozent p. a.). dai.de
- Finanztip: Altersvorsorgedepot oder Riester-Rente? (Kinderzulage ab rund 25 Euro Monatsbeitrag, Sonderfälle mit Riester-Vorteil). finanztip.de
Wenn du deine eigene Situation in Ruhe besprechen willst: wir melden uns bei dir.